Eine kleine Geschichte über ein Grashüpferleben?
Was eine kleine Begegnung über Vertrauen, Freiheit und Gottes Hilfe zeigt.
Neulich entdeckte ich im Wohnzimmer einen ziemlich verwirrten Grashüpfer an der Wand. Aufgeregt krabbelte er in verschiedene Richtungen, hielt kurz inne, drehte wieder um und lief weiter. Dann stoppte er erneut – als würde er überlegen (was vermutlich nicht der Fall war).
Er tastete hierhin und dorthin, krabbelte weiter – sah zwar das Fenster, fand aber trotzdem nicht hinaus.
Ich versuchte, ihn einzufangen, um ihn nach draußen in die Freiheit zu bringen. Doch er krabbelte so schnell er konnte weg von meinen Händen – und damit auch immer weiter weg von seiner Freiheit.
Schließlich verschwand er zwischen den Vorhängen, und ich ließ ihn in Ruhe.
Der Weg in die falsche Richtung
Am nächsten Morgen entdeckte ich ihn wieder – diesmal an einer ganz anderen Wohnzimmerwand.
Jetzt war er noch weiter vom Fenster entfernt und damit auch noch weiter von der Freiheit.
Als ich versuchte, ihn auf meine Finger zu locken, machte er sofort kehrt und krabbelte mit großem Tempo - na, du weißt schon - genau in die entgegengesetzte Richtung. Schließlich verschwand er an einer Stelle zwischen Wand und Schrank, an die ich nicht mehr herankam.
Er tat mir leid. Ich hätte ihm gern geholfen und ihn nach draußen gebracht – doch er zog es vor, seinen eigenen Weg zu suchen.
Ein kurzes Leben voller Umwege
Die Strecken, die dieser kleine Grashüpfer in wenigen Stunden zurückgelegt hatte, müssen sich für ihn wie Weltreisen angefühlt haben.
Denn wenn man bedenkt, dass ein Grashüpferleben nur etwa fünf bis sechs Wochen dauert, sind Stunden für ihn denke ich, wie Jahre für uns.
Allein fand er den Weg nach draußen nicht – im Gegenteil:
Er entfernte sich immer weiter vom Ziel, ohne es zu merken.
Wie tragisch!
Dabei bestand seine einzige Chance darin,
- ruhig zu bleiben
- stillzuhalten
- und der Hand zu vertrauen, die sich ihm näherte.
Er hätte sich einfach aufnehmen lassen können – vielleicht zunächst in die Dunkelheit hinein – um anschließend in die Freiheit getragen zu werden.
Der dritte Tag
Am dritten Tag hatte der kleine Grashüpfer keine Kraft mehr.
Er kapitulierte und ließ sich in meine Hand nehmen.
Vielleicht dachte er in diesem Moment, sein letztes Stündlein habe geschlagen.
Abgekämpft, resigniert und überzeugt:
„Es hat ja doch alles keinen Sinn.“
Das war sein Zustand. Das war seine Situation.
Kennst du dieses Gefühl?
Vielleicht kennst du selbst solche Momente.
Oder du kennst jemanden, der so denkt:
- „Ich habe schon alles versucht.“
- „Ich merke Gott gar nicht mehr.“
- „Ich höre ihn nicht.“
- „Ich sehe ihn nicht.“
- „Und wenn es ihn gibt – warum hilft er mir dann nicht?“
Dabei merken viele Menschen nicht, dass Gott längst versucht zu helfen.
Manchmal wehren wir uns gegen seine Hilfe – einfach deshalb, weil wir sie nicht erkennen.
Vielleicht auch, weil Gottes Hilfe oft ganz anders aussieht, als wir Menschen erwarten.
Jesaja 30,15 sagt es folgendermaßen:
"Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein."
Jesaja 30,15
Wenn Dunkelheit zum Weg in die Freiheit wird.
Als ich den Grashüpfer schließlich in meiner Hand nach draußen trug, war das für ihn bestimmt unangenehm.
Es war eng. Es war dunkel. Und doch war genau das seine Rettung.
Er musste nur eines tun: Aus seinem Versteck herauskommen und der ausgestreckten Hand vertrauen.
Und du?!
Auch wenn wir keinen Ausweg mehr sehen, können wir auf Gott vertrauen. Er schenkt Hoffnung und führt uns durch Zeiten, die wir aus eigener Kraft nicht bewältigen können.
In der Bibel heißt es:
Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.
Psalm 50,15

